Safari in der Llanos von Casanare Kolumbien

Last updated on January 23rd, 2021 at 03:13 pm

Liebe Leser

Mein Name ist Frank und ich betreibe ein Reisebüro in Bogota, Kolumbien. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Was ist die Llanos?

Eine Warnung vorweg an den Leser, der Blog wird etwas länger, denn es gibt sehr viel zu Erzählen und das Reisefieber könnte dich sofort anstecken! Und nein, wieder war es für mich kein Urlaub ;-(

Casanare gleicht dem wilden Westen der USA und es wird vor allem Viehzucht betrieben. Cowboys auf ihren Pferden sind daher omnipräsent. Das Gebiet ist riesig, erstreckt sich bis knapp an die venezolanische Grenze und hat mit einer Fläche von 44’640 Quadratkilometern in etwa die Grösse der Schweiz.

In der Vergangenheit profitierte die Region ausserdem von Ölvorkommen, seit der Preiskorrektur vor ein paar Jahren sind die Finanzen jedoch aus dem Lot. Rückstellungen oder Investitionen für die Zukunft wurden verschlafen. Tourismus ist vorhanden, ist jedoch in der Wirtschaftsleistung ein irrelevanter Faktor. Das Klima ist heiss und über das Jahr hinaus konstant. Es gibt Regen- sowie Trockenzeit.

Mehr Informationen über die Llanos von Kolumbien in unserem Llanos Reiseführer.

Fahrt nach Yopal in Casanare Kolumbien

Nachdem wir an einem Samstag nach 5 Stunden Fahrt angekommen waren, gab es zuerst ein erfrischendes Bier und eine Siesta. Nach einer langen Reise im Auto muss man sich schliesslich auch erholen. Am Abend besuchten wir das Geburtstagsfest einer Cousine von Eduardo (sozusagen mein kolumbianischer Bruder).

Diese wurde 15 Jahre alt und wie mir erklärt wurde, ist dieser Geburtstag der Wichtigste im Leben eines Mädchens. Dementsprechend wurde schweres Geschütz aufgefahren. Meine zwinglianische Seele war ein bisschen befremdet, aber ich sprang dann ziemlich schnell über meinen Schatten. Das Anwesen beindruckend, ein schöner Garten, ein Pool, eine Disco, Pferdestallungen, Haupt- sowie Gästehaus etc.

Der ganze Abend war dann auch choreographiert mit Präsentation, Tanzgruppe, DJ und sehr viel Essen. Der einzige Makel war, dass irgendwann der Alkohol zur Neige ging. Feste feiern kann man in Kolumbien, soviel ist sicher.

Am Montag traf ich mich mit Julia und Andres. Sie sind meine lokalen Partner vor Ort. Andres ist in der Region aufgewachsen und Julia ist Deutsche. Sie haben sich in England kennen gelernt, geheiratet und sind seit einigen Jahren im Tourismus tätig. Ziel war, die diversen möglichen Aktivitäten zu testen und einen Eindruck des ganzen Angebotes zu erhalten. Für den Folgetag wurde ich auf ihre Finca eingeladen.

Reiten wie ein Cowboy in der Llanos

Am Dienstag 0530 morgens holte ich Julia ab. Andres war bereits vorgefahren, um eine defekte Wasserleitung zu reparieren. Wir fuhren zuerst auf den Markt, um Frühstück zu kaufen. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir auf der Finca an. Andres war gerade dabei die Pferde einzusammeln. Als er dann in Cowboy-Manier mit einer Herde Pferde herangaloppierte, war ich sehr beindruckt.

Er begrüsste uns herzlich und nachdem ich Gummistiefel gefasst hatte, konnte es losgehen. Zuerst musste ich jedoch mein Pferd einfangen, was schwieriger war als gedacht. Nach gefühlten 100 Versuchen lag mein Lasso jedoch um den Hals des Pferdes und ich konnte es meines nennen. Dann mussten wir die Pferde striegeln und der Sattel sowie das Geschirr konnte angelegt werden.

Ich bekam noch eine Einführung wie man steuert und wie man einen Gangwechsel vornimmt. Ich machte sogleich vor Ort mehrere Manöver und es schien auch alles wirklich zu funktionieren. Nur war mein Pferd das Einzige mit automatischem Getriebe, denn sobald ich jeweils die Bremse löste, fing es an sich zu bewegen. Ansonsten war das Vieh aber absolut gutmütig.

Wir machten uns auf das Gelände zu erkunden. Andres voraus und wir hinterher. Es ging zuerst in einen Wald und dann zu einem Fluss. Immer wieder machten wir halt und es gab Erklärungen zu diverser Flora und Fauna. An einem Waldrand machten wir dann schliesslich kurz halt und gingen zu Fuss auf Erkundung.

Wir suchten einen bestimmten Vogel, der aber scheinbar nicht zu Hause zu sein schien. Dafür waren gerade Affen in den Bäumen und sie beobachteten jeden unserer Schritte genau. Ich war begeistert und machte sofort Fotos. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge im Zoo! Wieder zu Pferd ging es nun über offene Weiden und an neugierigen Kühen vorbei.

Es war Zeit, die Höchstgeschwindigkeit meines Pferdes zu testen. Fazit: Pferde sind sehr schnell, Galopp ist für den Reiter anstrengend aber es macht unglaublich viel Spass! Nachdem ich also erschöpft wieder normale Geschwindigkeit ritt, machten wir uns auf, um in einem Fluss zu reiten. Das ist ebenfalls ein Erlebnis, das ich jedermann empfehlen kann, es ist einfach toll. Nach der Rückkehr zu Finca gab es dann Frühstück und ich verabschiedete mich von den Beiden.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Casanare Kolumbien

Am Mittwoch besuchte ich einige Dörfer in der Region um zu sehen, ob sich ein Besuch auch für Touristen lohnt. Es wird zwar Kaffee und Kakao produziert, die Dörfer und Städte glänzen jedoch nicht mit ausgesprochener Schönheit. Die Landschaft jedoch ist vom Feinsten.

Am Donnerstag musste ich wieder um fünf Uhr früh aus den Federn, denn ich hatte eine Verabredung mit Seco, einem lokalen Guide. Ich traf ihn an einer Kreuzung bei Trinidad (in Kolumbien findet man alle Länder- und Städtenamen der Welt ;-)) und es stellt sich heraus, dass wir uns bereits vor knapp 2 Jahren bereits einmal getroffen hatten. Er machte damals eine Vorführung, wie man auf einem Pferd schwimmend einen Fluss überquert. Sein Spitzname ist auch „El gran Llanero“.

Vor Jahren machte er an einem 3-wöchigen Wettbewerb mit. Dort musste er allerlei Disziplinen bewältigen wie: Reiten, Kühe fangen, Kühe treiben, Anakonda fangen, Orientierungslauf, Flussdurchquerung mit Tieren und vieles mehr. Bei seinen Erzählungen strahlten seine Augen jedenfalls sehr, bei der Erinnerung daran. Ausserdem, wie viele Llaneros (Llanero wird das ganze Gebiet genannt), ist er immer Barfuss unterwegs.

Eine Llanos Safari in Casanare Kolumbien

Ich packte Seco in meinen Wagen und wir fuhren zum ersten Hato. Bisher war ich vom touristischen Potenzial der Region nur begrenzt überzeugt gewesen. Was ich jedoch in den kommenden Tagen erleben sollte, überzeugte mit vollends vom Gegenteil. Wir sahen eine Vielzahl an Vögeln, Wasserschweinen, Kaimanen, Hirschen, Kühen, Pferden, Schildkröten, Echsen und vieles mehr.

Es war in etwa, wie man sich eine Safari in Afrika vorstellt. Jenseits von Strassen und Gebäuden, inmitten der Natur, sammeln sich um die Wasserstellen eine Vielzahl von diversen Tierarten. Man muss nicht danach suchen, es wird einem auf dem Silbertablett präsentiert. Und Seco kennt sie alle, die Pflanzen, die Tiere und verfügt über jegliche Informationen zu allen Fragen darüber.

Diese Safari war etwas vom Schönsten, was ich je erlebt habe. Ich werde in Zukunft sicher meine Eltern dorthin schicken. Nachdem wir den ganzen Morgen auf Tierschau waren, fuhren wir am Nachmittag auf eine kleinere Finca, um den Tag mit einer Kanufahrt abzurunden. Ein einzigartiges Spektakel findet gegen Abend statt, wenn sich die Vögel in verschiedensten Farben und Ausprägungen auf den Bäumen am Flussufer niederlassen.

Fliegen in der kolumbianischen Llanos

Am Freitag stand dann das Highlight auf dem Programm, der Besuch des Hato la Aurora. Meine kolumbianische Familie verbot mir jedoch, mit dem Auto hinzufahren. Scheinbar hat die ELN (Ejercito de Liberacion Nacional) kürzlich den Verhandlungstisch verlassen und mit einigen Scharmützel in der Region begonnen.

Die ELN ist viel kleiner als es die FARC war, und die Friedenverhandlungen sind momentan im Gang. Ich entschied mich daher ein Flugzeug zu chartern und hinzufliegen, Julia habe ich auch gleich eingeladen mitzukommen. Generell kann ich sagen, die Anreise per Flugzeug ist zu empfehlen, da es auf dem Hato eine Piste gibt und der Flug über das Gebiet schlichtweg spektakulär ist. Die Preise bewegen sich ausserdem in einem vernünftigen Rahmen.

Hato La Aurora in Casanare Kolumbien

Der Hato la Aurora ist riesig und dicht bewaldet. Mit rund 5’000 Rindern gehört er zu einem der grösseren Betriebe der Region. Die Besitzerfamilie hat sich vor einigen Jahren entschieden, die Natur und die Tiere zu schützen. Entsprechend bewegen sich auf dem Gebiet auch Jaguare und Pumas. Wahrlich, das Gebiet ist wunderschön und es erwarten einem massenhaft Tiere.

Ein Traum für alle enthusiastischen Tierbeobachter und Fotografen. Dazu wird eine Vielzahl von Aktivitäten angeboten, wie Fischen, Anakonda suchen und fangen, Nachtbeobachtung etc. Der einzige Wermutstropfen sind jedoch die Unterkünfte. Obwohl einem die Infrastruktur generell hübsch scheint, überkommt einem beim Betreten der Zimmer der kalte Schauer. Die Qualität der Unterkünfte würde ich mit jener eines alten, runtergewirtschafteten Motels vergleichen. Ich persönlich würde eine Nacht in einer Hängematte vorziehen, was ebenfalls im Angebot ist. Des Weiteren sind die Preise, ich muss hier ehrlich sein, absolut unverschämt.

Die Situation ist wohl damit zu erklären, dass der Hato momentan eine Art Monopolstellung besitzt. Dies wird sich jedoch garantiert in den nächsten Jahren ändern. Andere Anbieter sind bereits in den Startlöchern, um Touristen zu empfangen und für vernünftige Preise spektakuläre Touren anzubieten. La Aurora wird daher gezwungenermassen in den kommenden Jahren die Divergenz zwischen Qualität und Preis schliessen müssen, wir werden sehen.

In Zukunft werde ich Casanare aktiv vermarkten. Die Natur, die Tiere, das Essen und Leute sind einfach genial. Ferien als Cowboy oder Safariurlaub, eine Reise lohnt sich in jedem Fall.

Haben Sie Lust in die kolumbianische Llanos zu reisen? Kontaktieren Sie mich direkt, wir haben unser Büro in Bogota, Kolumbien uns sind auf massgeschneiderte sowie Luxusreisen nach Kolumbien spezialisiert.

Kolumbien Reiseführer

Wer inzwischen überzeugt ist, das Kolumbien angesteuert werden soll, dem biete ich unten noch einige Navigationshilfen.

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