Ist Kolumbien Die Ideale Post-COVID Reisedestination?

Meta Colombia

Last updated on January 22nd, 2021 at 10:47 pm

Liebe Leser

Mein Name ist Frank und ich betreibe ein Reisebüro in Bogota, Kolumbien. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Kolumbien im Lock-Down

Kolumbien ist seit Mittwoch, dem 25. März 2020 in Quarantäne. In Bogota wurde diese sogar bereits einige Tage vorher ausgerufen. Diesen Artikel schreibe ich nun am 18. Juli 2020.

Seit der Einführung wurde die Quarantäne mehrfach verlängert, wobei inzwischen eine zaghafte Öffnung der Wirtschaft erfolgte. Ebenfalls wurden punktuell wieder striktere Maßnahmen eingeführt und zum Beispiel hier in Bogota einzelne Quartiere wieder unter eine strengere Quarantäne gesetzt.

Ebenfalls sind Reisen innerhalb des Landes generell noch nicht möglich und inländische Flugverbindungen wurden noch nicht wieder aktiviert. Wann sich das Land wieder normalisieren wird und unter welchen Restriktionen, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht absehbar.

Reisen nach Kolumbien vor der Corona Krise

Kolumbien war auf dem besten Weg, sich in eine touristische Traumdestination zu verwandeln. Nachdem in den frühen 2000er Jahren in vielen Teilen des Landes die Sicherheit wiederhergestellt wurde, begannen die Rucksacktouristen in Massen das Land zu stürmen.

Kolumbien zählt heute daher als eines der Länder mit der größten Hosteldichte der Welt und ist ein wahres Paradies für Rucksacktouristen. In verschiedenen Blogs, Reiseberichten und YouTube-Videos wird über die Möglichkeit des günstigen Reisens, die spektakulären Erlebnisse und die unglaublich freundlichen Kolumbianer berichtet.

Im Jahr 2019 besuchten dann über 4 Millionen ausländische Reisende das Land. Im Vergleich zu Spanien mit rund 80 Millionen jährlichen Besuchern, ist diese Zahl natürlich minimal. Vor allem in Anbetracht der Größe Kolumbiens, welche der Fläche Deutschlands und Frankreichs zusammen oder auch Texas und Kalifornien zusammen entspricht.

Neben dem Ziel für Rucksacktouristen begann sich das Land zusätzlich zu einer Destination für Öko-Tourismus zu entwickeln. Als Land mit der zweitgrößten Biodiversität der Welt, nach Brasilien, ist das Land prädestiniert dafür. Als Beispiel einer derartigen Fokussierung kann sicherlich Costa Rica dienen, welches sich hervorragend auf dieses Segment spezialisiert hat.

Ebenfalls wurde das Land mehr und mehr von Vogelbeobachtern bereist. Mit über 1,900 Spezies und steigenden Neuentdeckungen, befindet sich Kolumbien an der weltweiten Spitze. Seit 2017 gewinnt Kolumbien den Global Big Day und wird diesen Podestplatz wohl nicht so schnell wieder abgeben.

Auch kulturell bietet Kolumbien so einiges. Mit seiner lebhaften Geschichte und der Kolonisation bietet Kolumbien heute fantastische und hoch interessante Destinationen. Cartagena wird als die Perle der Karibik beschrieben und wer diese Stadt bereits einmal besuchte, kann die Schönheit der geschichtsträchtigen Mauern nur bestätigen.

Kurz gesagt, Kolumbien besitzt ein unglaublich breitgestreutes touristisches Potential in den verschiedensten Bereichen. Viele Teile des Landes sind jedoch auch für den nationalen Tourismus immer noch jungfräulich.

Historical Center of Cartagena Colombia

Kolumbien als Post-COVID Reisedestination

In der Reisebranche wird zur Zeit viel diskutiert, da viele Reisenden momentan lieber zu Hause bleiben oder bleiben müssen. Einstimmig wird in Online-Diskussionen der Trend des nachhaltigen Tourismus zelebriert. Reisende würden sich in Zukunft von billigen Angeboten abwenden und spezielle Erfahrungen suchen.

Ich bin nicht dieser Meinung. Der ökonomische Aspekt wird meines Erachtens weiter der maßgebende Faktor bleiben. Eine Familie die bisher zweimal im Jahr einen billigen All-inklusive Urlaub gebucht hat, wird meines Erachtens nicht auf den einen Urlaub verzichten, damit sie sich neu nur einen, jedoch maßgeschneiderten Urlaub leisten kann.

Vielen Leuten scheint der Massentourismus auch zu gefallen. Ich denke, das ist ebenfalls Geschmacksache. Diese Art von Touristen werden nicht plötzlich der Party und dem Massenbesäufnis entsagen um neu, fern jeglicher Zivilisation, auf Safari zu gehen.

Ich glaube jedoch, dass Kolumbien seine Stärken in Zukunft nutzen muss und kann und sich dadurch auch der qualitäts- und nachhaltige Tourismus steigern lässt.

Viele Regionen in Kolumbien bieten einzigartige Naturerlebnisse und blieben bisher vor Besucherströmen verschont. Regionen wie die Llanos, der Pazifik, große Teile der Karibik, der ganze kolumbianische Süden sowie die bereits bekannten und etwas touristischeren Regionen Kolumbiens bieten breit gefächerte Erlebnisse, welche kaum ein anderes Land zu bieten hat.

Hills in Meta Colombia

Um hier einige Beispiele zu nennen:

  • man kann in Kolumbien auf Safari gehen,
  • man kann Wale beobachten,
  • die Vogelbeobachtung erstreckt sich über 1900 Spezies
  • man kann Tauchen und jegliche Art von Wassersport betreiben
  • Kolumbien besitzt Amazonas, Regenwälder und Inseln,
  • es gibt noch aktive Vulkane,
  • man findet endemische Flora und Fauna
  • das Kaffeeanbaugebiet ist eine der schönsten Regionen der Welt,
  • Golf spielen kann man zwischen 3,000 Metern über Meer und Meereshöhe,
  • es gibt Wüsten,
  • man kann Bergsteigen, der höchste Gipfel misst über 5,700 Meter über Meer,
  • man findet koloniale Architektur aus dem 16ten Jahrhundert,
  • in archäologischen Parks findet man Zeugen präkolumbianischer Kulturen
  • die Welthauptstadt des Salsa befindet sich in Kolumbien und heißt Cali,
  • es bestehen noch zahlreiche indianische Stämme,
  • es gibt wahrscheinlich hunderte von Wasserfällen im Land,
  • der Kulturmix ist einzigartig
  • die Dichte an Museen ist enorm,
  • Lebensmittel werden alle lokal angebaut und es gibt zum Beispiel über 150 verschiedene genießbare Früchte

Whale Jumping

Man hat in Kolumbien wirklich eine große Auswahl an Möglichkeiten sein Interessensgebiet zu finden.

Um zukünftige Einschränkungen abzuschätzen, muss ich momentan ein bisschen spekulieren. Im Anbetracht der getroffenen Maßnahmen in Europa und der restriktiven Maßnahmen, denen wir in Kolumbien ausgesetzt sind, wird mit der Wiedereinführung des internationalen Tourismus wahrscheinlich auch eine generelle Maskenpflicht gelten.

Obwohl sich einige Menschen schnell daran gewöhnt haben, stört mich persönlich eine Atemschutzmaske bereits nach geringer Zeit. Obwohl ich diese Maßnahme in den Städten unterstütze, so hoffe ich ebenfalls, dass diese in Zukunft differenzierter angewendet wird.

Es kommt momentan unter anderem sogar vor, dass hier in Bogota Automobilisten von der Polizei gebüßt werden, weil sie keine Maske tragen. Dies obwohl die Fahrer alleine unterwegs sind und die Autofenster geschlossen sind.

Es wird daher entscheidend sein, ob die Regierung dem gesunden Menschenverstand folgen oder aber eine sehr strikte Regulierung vorziehen wird.

In vielen Regionen Kolumbiens gibt es riesige Gebiete, welche sich perfekt für touristische Aktivitäten eignen. Ausländische Touristen würden diese, frei von Maske und einer Ansteckungsgefahr, sicherlich mit Freuden buchen. Auch muss man sich die Frage stellen, ob man bei Aktivitäten wie dem Golfspiel zwingenderweise eine Schutzmaske tragen muss, was in Europa nicht der Fall ist.

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass Kolumbien mit der Umsetzung einer differenzierten Strategie eine gute Möglichkeit hätte, den internationalen Tourismus relativ rasch wieder auf den Wachstumspfad zu bringen.

Risiken in Kolumbien während der Corona Zeit

Kolumbien wurde anfangs der 2000er Jahre zu einem guten Teil befriedet und seit dem Friedensvertrag mit der FARC sind weitere Teile des Landes zugänglich geworden.

Dennoch gibt es in Kolumbien nach wie vor militante und schwer bewaffnete Gruppen. Ich bin mir nicht sicher, ob eine politische Ideologie heute noch im Vordergrund steht, denn meines Erachtens werden die meisten dieser Gruppen heute durch rein ökonomische Interessen angetrieben.

Von Seiten des Staates wurden viele Verpflichtungen des Friedensvertragens mit der FARC bisher nur mangelhaft umgesetzt und implementiert. Außerdem gibt es im Land immer noch Gebiete, wo staatliche Institutionen fehlen. Auch wo diese vorhanden sind, funktionieren diese teilweise nicht oder nur mangelhaft. Die Korruption ist wie in Afrika und dem restlichen Lateinamerika auch hier ein dauerndes Ärgernis.

Die Anzahl der nicht angemeldeten Unternehmen oder inoffizielle Arbeit wird auf rund 50% geschätzt.

In den Medien werden viele Fälle von Veruntreuung von Hilfsgeldern durch Staatsdiener und deren Freunde angeprangert. So kosten Essenspakete für die ärmsten Einwohner den Staat plötzlich drei Mal soviel wie der Einkaufswert im Supermarkt betragen würde.

Zudem fanden vor der Krise vermehrt Proteste gegen das Establishment und das momentane System statt.

All die oben genannten Faktoren führen zu einer zunehmenden Verarmung und Verunsicherung der Mittel- sowie Unterschicht. Ein Anstieg der Kriminalität ist sehr wahrscheinlich und es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine politische Destabilisierung des Landes in naher Zukunft.

Schlussfolgerungen

Palm Trees and Beach in Chocó

Kolumbien ist ein großartiges Land und hat ein unglaubliches Potential, um sich wirtschaftlich zu entwickeln. Tourismus kann dabei eine übergeordnete Rolle spielen und das Land nachhaltig entwickeln. Das Land hat die Möglichkeit, sich als attraktive Urlaubsdestination international zu etablieren.

Diese mögliche Entwicklung wird jedoch stark von der politischen Führung und der kolumbianischen Elite abhängig sein. Sollten sich politische Entscheidungen zu Gunsten partikulärer Interessen durchsetzen, könnte sich das Land extrem schnell in einer sehr komplizierten Situation wiederfinden.

Reiseführer für Kolumbien

Kolumbien ist nicht das einzige Land auf der Welt mit innenpolitischen Problemen. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in Zukunft ausländischen Reisenden ein spektakuläres Urlaubsprogramm bieten können.

Um bereits den Appetit auf eine bevorstehende Kolumbienreise anzuregen, empfehle ich die Lektüre meiner diversen Reiseführer.

Liebe Leser

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