Ein Bericht aus Barranquilla, Kolumbien

Tanz und Musik an der Karibik Küste, es ist Karneval

Ein Bericht aus Barranquilla, Kolumbien

Seit beinahe 3 Jahren lebe ich in Kolumbien und habe es bisher noch nicht geschafft, den berühmt berüchtigten Karneval in Barranquilla zu besuchen. Kollegen die Urlaub in Kolumbien machten, hatten mir aber bereits davon geschwärmt. Dieses Jahr war es nun endlich soweit. Nachdem ich mich mit den Veranstaltern und der Tourismusbehörde telefonisch ausgetauscht hatte, organisierte ich die Reise. Ein Wehrmutstropfen war allerdings, dass mein AIRBNB Gastgeber meine Reservation 3 Wochen vor Anreise stornierte. Eine Hotelbuchung kostete mich dann das Dreifache.

Der Karneval in Barranquilla https://www.carnavaldebarranquilla.org schmückt sich mit der Aussage, dass er der grösste Karneval weltweit nach Rio sei. Sein Ursprung datiert im 19. Jahrhundert. Sicherlich ist er jedoch eine der grössten und wichtigsten Veranstaltungen in Kolumbien. Über die genaue Entstehungsgeschichte ist jedoch wenig bekannt. Heute fängt das Fest mit dem Pre-Karneval an, was unter anderem die Krönung der Königin beinhaltet. Dieser fängt Mitte Januar an. Für alle die jetzt ihren Kolumbien Urlaub planen wollen, der Pre-Karneval dauert lange, also unbedingt die Daten anschauen.

Pre-Karnaval:

  • Fahnenaufzug
  • Lesung des Erlasses
  • Tanzfestival und Krönung des Momo (Gegenstück zur Königin)
  • Fest der Karnevalsgruppen
  • Tanzfest der Tänze und Cumbia
  • Guacherna Estercita Forero
  • Krönung der Kinderkönigin und des Kinderkönigs
  • Kinderkarnevalumzug
  • Krönung der Königin
  • Strassentanz und Nacht der Orchester

Karnaval:

  • Kampf der Blumen, Umzug des König Momo, Komödiantentreffen, Strassentanz und Nacht der Orchester
  • Grosse Parade der Traditionen und Folklore, Komödiantentreffen, Treffen der Litanei, Wahl und Krönung der Volkskönigin, Strassentanz
  • Grosse Parade der Komparsen, Festival der Orchester, Komödiantentreffen
  • Joselito geht mit der Asche, Treffen der Litanei

Donnerstag

Ich reiste bereits am Donnerstag an, um alle Aktivitäten hautnah mitzuerleben. In Barranquilla angekommen, besuchte ich das Haus des Karnevals und bekam mein Willkommenspaket und alle Tickets. Das Haus dient als Zentrum des Karnevals und beinhaltet dessen Administration, Ausstellungen und einen interaktiven Raum. Das Wetter war Karibisch warm (33 Grad Celsius) mit blauem Himmel. Mit einer guten Brise fühlte es sich jedoch nicht übermässig heiss an. Danach ging es weiter zum Hotel, wo ich mich über meinen Check in ärgerte. Dazu möchte ich nicht näher eingehen, vielleicht findet jedoch jemand meinen Kommentar in Tripadvisor 😉

Am Nachmittag hatte ich noch eine Sitzung mit dem Tourismusdirektor, was sehr aufschlussreich war. Jaime und Efrain erzählten mir viel über Barranquilla, dessen Geschichte und Entwicklung. Unter dem Jahr finden viele Anlässe statt und es wird fleissig an allerlei Infrastruktur gebaut. Man betonte ausserdem, dass Barranquilla äusserst tolerant ist und quasi ein Paradies für Gays. Am Umzug selber gab es auch eine Tribüne für Gays. Also liebe gleichgeschlechtliche Paare, welche meinen Blog lesen, Destinationen wie Barranquilla, Cali, Bogota und weitere heissen Euch willkommen, eure Reise nach Kolumbien könnt ihr jederzeit bei mir buchen 😉

Am Abend wurde ich abgeholt um der Krönung der Karnevalskönigin beizuwohnen. Der Anlass war auf einem Militärgelände und die Bühne war ziemlich gross. Die Krönung war eigentlich eine Tanzshow über 90 Minuten, mit verschiedensten Kostümen, Tänzen, Themen und Feuerwerk. Ich fand es super! Auch um das leibliche Wohl musste man nicht besorgt sein. Essen und Trinken wurde einem an den Sitzplatz serviert, wobei die Kolumbianer ziemlich viel tranken.

Freitag

Nach dem Frühstück stand mein Fahrer bereit für die Stadtrundfahrt. Ich traf Christian, welcher in Deutschland Geschäftsführer eines Unternehmens war und sich momentan in Kolumbien auf einer Rundreise befindet. Ich gab ihm dann Tips über Reisen in Kolumbien. Barranquilla ist keine historische Stadt und gibt nicht viel her. Interessant war der 5Km lange Flussweg, welcher an den Ufern des Rio Magdalena entsteht. Es gibt ausserdem noch Naturwege zur Vogelbeobachtung ausserhalb der Stadt. Am Abend fuhren wir auf ein Strassenfest im Süden der Stadt. Es ist gratis und und das Zentrum bildet eine grosse Bühne. Im Verlauf der Strasse wird überall Musik gespielt und natürlich wird haufenweise Essen und Trinken angeboten. Es wird dementsprechend sehr ausschweifend gefeiert. Des Weiteren werden Besucher mit Schaum abgespritzt und mit Maizena eingenebelt. Das führt dazu, dass man nachher ein weisses Gesicht hat. Wenn man Pech hat, wird man auch mit Wasser oder Bier abgespritzt. Dieses Ritual gehört zur Tradition und ist weniger schlimm, als es sich anhört. In Barranquilla finden während des Karnevals übrigens überall in der Stadt Feste und Parties statt. Ich war dann auch entsprechend spät im Bett.

Samstag

Am Samstag war dann der erste Tag des Karnevals (siehe oben). Unser Fahrer holte uns bereits um 9 Uhr morgens ab und wir waren kurz vor 10 Uhr auf der Tribüne Nummer 12. Auch dort wird Essen und Trinken serviert. Andrea, meine Ansprechperson von der Karnevalsgesellschaft, erklärte mir, dass die Sitznummern nicht respektiert würden und wir daher bereits frühzeitig dort waren. Obwohl wir beinahe die ersten waren, füllte sich die Tribüne dann ziemlich schnell. Um 12 Uhr ging der Umzug dann bereits los und die Polizei zeigte Motorradakrobatik. Es kamen dann kostümierte Gruppen, geschmückte Wagen und laute Musik. Der ganze Umzug schien ein bisschen chaotisch und es wurde in- und ausserhalb viel getrunken. Es ist ein sehr farbenfrohes Fest und die Stimmung ist kolumbianisch ausserirdisch!  Zu meinem Erstaunen waren meine Sitznachbarn zwei Anwälte aus Russland. Sie erzählten mir auf Englisch, dass Urlaub in Kolumbien super sei und dass sie noch nach Medellín reisen würden.

Um 18 Uhr, der Umzug war noch nicht vorbei, machten wir uns auf Richtung Ende der Umzugsstrecke und besuchten eine Ecke, wo scheinbar alle nimmermüden Karnevalsteilnehmer tanzten. Es dröhnte Musik und die Stimmung war äusserst ausgelassen. Wasser, Schaum und Maizena fehlten natürlich ebenfalls nicht. Die Stimmung war dermassen gut, ich tanzte mir beinahe die Füsse wund. Und auch die anderen ausländischen Besucher waren aus dem Häuschen. Interessant war, dass Andrea genug Elfen organisierte, damit keiner der Touristen verloren ging. Wir wurden jedenfalls auf Schritt und Tritt begleitet. Viele der Ausländer hatten ihre Kolumbien Reise extra für den Anlass in den Februar gelegt.

Auch an diesem Abend wurde es wieder spät, denn die Stimmung war dermassen gut, dass ich eigentlich nicht nach Hause wollte. Aber der Karneval hatte ja erst angefangen.

Sonntag

Heute wurden wir zum Glück erst später abgeholt. Um circa 11 Uhr waren wir wieder auf unserer angestammten Tribüne und es waren merklich weniger Leute anwesend. Der Sonntag sollte der ruhigste Tag werden. Andrea erzählte mir, dass wir auf einer der teuersten Tribüne wären und am Samstag jeweils nur die vermögenden Einwohner herkommen. Die Tickets für die Folgetage würden aber meist verschenkt, da die Familien die freie Zeit nutzten um nach Cartagena, Santa Marta oder Miami zu reisen.

Der Umzug war im Gegensatz zum Vortag ebenfalls sehr geordnet und es wurde kein Alkohol getrunken. Heute wurden die Karnevalgruppen bewertet, daher waren die Kolumbianer ungemein gezügelt und diszipliniert unterwegs.

Wie blieben dann auch nur bis gegen 16 Uhr. Wir machten uns nun auf zu einer weiteren Miss Wahl, die Königin des Volkes musste gewählt werden. Wir kamen wie immer im VIP Stiel über den Hintereingang auf das Festgelände und hatten Sitzplätze ganz vorne. Etwa 30 Kandidatinnen, eine aus jedem Bezirk von Barranquilla, buhlten um die Krone. Es wurde wieder getanzt und die Kostüme wurden bestimmt wieder 10 Mal ausgetauscht. Es war das erste Mal, dass ich eine Kolumbianerin beobachtete, die scheinbar den Rhythmus nicht im Blut hat. Eine Premiere in 3 Jahren. Jedenfalls war die Choreographie gut eingespielt und nachdem es ein paar Spezialmissen gab, einen Halbfinal und dann noch einen Final, die Karnevalskönigin zu Besuch kam und die Kinderkarnevalskönigin schliesslich auch noch ihren Auftritt hatte, war dann mit der Krönung die Show zu Ende. Wir waren auch am Ende, es war zwar erst 10 Uhr abends aber die letzten Tage hatten ihren Tribut gefordert. Ich wollte nur noch ins Bett, wo ich dann um Mitternacht auch ankam.

Montag

Heute kam der Fahrer erst um 13 Uhr und ich nutzte die Gelegenheit zu arbeiten und ins Fitness zu gehen. Wieder auf der gleichen Tribüne auf den gleichen Plätzen, war wieder deutlich mehr Betrieb. Auch die Besucher waren wilder und sehr trinkfreudig. Der Umzug war wieder viel spannender. Die Kostüme waren exotischer und Federkleider oder Federkleidchen standen im Vordergrund. Es gab also viel Haut zu sehen heute. Die Platzanweiser hatten Mühe die Treppen und Durchgänge freizuhalten und gaben schliesslich auf. Die Meute war nach einer gewissen Zeit einfach zu ausgelassen. Wie jeden Tag stand ich jedoch ein bisschen abseits der Tribüne und knipste Fotos.

Nach 17 Uhr machten wir uns auf zum nächsten Anlass. Der Kampf der Orchester stand auf dem Programm. Als wir ankamen, wurde bereits Musik gespielt und der Anlass war bereits gut besucht. In unserer Zone, wir hatten Sitzplätze ganz vorne, war es jedoch noch ziemlich leer. Wir sollten im Bereich mit Funktionären, VIP’s (wir zählten auch zu VIP’s hahaha) und der Karnevalskönigin sowie Entourage sitzen. Es kamen dann Personen inklusive Bodyguards und einer schien wichtiger als der andere zu sein.

Als Valeria, die Karnevalskönigin, schliesslich ankam, da waren alle völlig nervös. Alle wollten ein Selfie mit dem Mädchen knipsen und die etwa 1.50m kleine Dame wurde teilweise fast erdrückt. Es erinnerte mich ein bisschen an die Hysterie in den 90er als Bands wie Take That usw. die Welt unsicher machten.

Die Hauptattraktion war jedoch der Wettbewerb der Bands auf der Bühne. Im 15 Minuten Takt zeigten diese ihre besten Shows und Lieder. Es wurde Salsa, Cumbia, Merengue, Vallenato und weitere Style gespielt. Es standen teilweise 20 Leute auf der Bühne, Orchester, Sänger und Tänzer. Es war eine der besten und abwechslungsreichsten Shows die ich je sah. Ich konnte daher auch nicht ruhig sitzen und war die meiste Zeit am Tanzen. Das Publikum, wahrscheinlich durch mich animiert ;-), tat es mir gleich.

Der Wettbewerb sollte die ganze Nacht andauern, ich musste jedoch um 23 Uhr die Waffen strecken. Die letzten Tage hatten ihren Tribut gefordert und mein Verlangen nach Ruhe war immens.

Dienstag/Mittwoch

Am Dienstag war dann noch die Verabschiedung von Joselito, ein kleiner Umzug am Nachmittag, um den Karneval zu beenden. Am Mittwoch war dann der Rückflug in die Heimat, nach Bogota.

Der Karneval von Barranquilla ist ein tolles Fest. Um jedoch eine ganze Woche durchzuhalten, sollte man mit vollen Batterien anreisen. Die Organisation ist sehr gut und die Vielzahl der Anlässe lässt keine Wünsche offen. Eine Reise nach Kolumbien kann man das ganze Jahr über machen. Diese mit einem Besuch an den Karneval von Barranquilla zu verknüpfen ist sicherlich eine schlaue Option.

Februar de 2018

Blog Frank Spitzer