Fahrt von Bahía Solano nach Nuquí

Eine verrückte Bootsfahrt und ein Traumstrand im Chocó

Driving from Bahía Solano to Nuquí

Nachdem ich in Bahía Solano verschiedene Hotels angeschaut hatte und auch die touristischen Angebote evaluiert hatte, plante ich meine Reise nach Nuquí. Ich musste daher einen Transport organisieren, um zuerst in den Nationalpark Utría zu gelangen und in Utría dann einen Weitertransport nach Nuquí suchen. Nach verschiedenen Gesprächen mit verschiedenen Personen fand ich schliesslich einen Kapitän, der am nächsten Morgen in den Nationalpark Utría fahren würde und konnte mit ihm einen guten Preis aushandeln. Am nächsten Morgen fuhren wir in einer Nussschale circa eine Stunde Richtung Süden. Das Boot war voll mit jungen Touristen die alle im Kolumbien Urlaub waren. Der Trip war kombiniert mit Walbeobachtung, wobei die Technik „Mit Vollgas auf den Wal zu“ angewendet wurde. Informationen zu den Meeressäugern gab es leider keine. Ich brillierte daher mit meinem Wissen, welches ich in den vergangenen Tagen gewonnen hatte und teilte dieses mit meinen Mitpassagieren.

Wir landeten an einem Sandstrand mit einem wunderschönen Panorama. Geplant war dort zu verweilen und dort Mittag zu essen. Mein persönlicher Plan war jedoch ein Boot zu finden, dass mich weiter Richtung Süden bringt, damit ich meine Überfahrt nach Nuquí fortsetzen konnte. Es vergingen Stunden, ohne dass nur ein Boot aus Richtung Süden auf diese kleine Insel, auf der wir verweilten, zusteuerte. Zunehmend nervös diskutierte ich meine Situation mit verschiedenen Kolumbianern. Ich erfuhr, dass heute im Süden ein Festival stattfand und demnach wahrscheinlich nur wenige Boote von Süden her Richtung Utría fahren würden. Ich spielte bereits mit dem Gedanken, ein persönliches Boot in Nuquí zu bestellen und dafür ein halbes Vermögen zu bezahlen. Glücklicherweise ergab sich dann doch noch eine Transportmöglichkeit, mit der ich in Richtung Süden gelangen konnte. Touristen auf Kolumbien Reise werde ich diese Überfahrt nie empfehlen.

Der letzte freie Platz war ganz vorne im Boot. Der Kapitän schien es eilig zu haben und brauste mit Vollgas los. Der inzwischen heftig einsetzende Regen und der immer höher werdende Wellengang beeindruckten ihn jedoch nicht. Ich jedoch, ganz vorne im Boot sitzend, wurde im Boot rauf und runter geschlagen. Im Wissen, dass dieser Transport 2 Stunden dauern würde, versuchte ich mich so gut wie möglich einzurichten. Glücklicherweise hatte ich meine Regenjacke dabei, die mich immerhin ein bisschen vor dem starken Regen schützte. Ich wurde jedoch auf der Fahrt durchgeschüttelt, wie bisher selten in meinem Leben.

In Nuquí angekommen, machte ich mich zu Fuss in Richtung meines Hotels, welches circa 15 Minuten ausserhalb des Zentrums lag. Es regnete weiterhin kräftig, was mich aber nicht beeindruckte, da ich bereits durchnässt war.  Glücklicherweise ist das Klima an der Pazifikküste sehr warm. Im Hotel angekommen, freute ich mich über eine Dusche, ein Bier und vor allem trockene Kleider. Nach einem üppigen Essen ging ich dann früh zu Bett. Das Hotelzimmer war eines der kleinsten, das ich je bezogen hatte. Ich fühlte mich wie ein Hobbit.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Boot an den Strand von Guachalito. Ich verliess die Gruppe, um verschiedene Hotels vor Ort zu besuchen. Der Rest der Gruppe setzte den Ausflug mit dem Boot fort, um Wale zu beobachten. Glücklicherweise war das Wetter sehr freundlich und sonnig. Der Strand von Guachalito ist circa 3 km lang mit circa sechs Hotels, wovon ich die meisten besuchte. Der Strand ist unglaublich schön, paradiesisch ist wohl die beste Bezeichnung, und man kann die ganze Distanz am Strand entlanggehen, ohne nur eine Menschenseele zu treffen. Das Wasser ist außerdem angenehm warm.

Die besuchten Hotels haben einen guten Standard, verfügen jedoch nicht über Internetzugang oder konstante Stromversorgung. Einige Hotels produzieren Strom nur für einige Stunden am Abend. Jedoch wird sehr grossen Wert auf die Verpflegung gelegt und das Essen ist äusserst schmackhaft. Ich persönlich finde das Essen im Chocó das Beste in ganz Kolumbien.

In einem der Hotels hat mich ein junges, unglaublich hübsches Mädel herumgeführt. Sie hat mir erklärt, dass sie für einen Monat im Hotel arbeitet, um die ausländischen Gäste zu betreuen und zu übersetzen. Normalerweise unterrichte sie Englisch und Französisch in Medellin.

Leider hatte ich eine Verabredung zum Mittagessen mit dem Rest der Gruppe und musste daher das Hotel und das schöne Mädel verabschieden. Auf dem Rückweg genoss ich den Spaziergang barfuss am Strand. Und wiederum traf ich keine Menschenseele, ausser ein paar Soldaten, die in der Nähe im Wald ihr Camp aufgeschlagen hatten. Sofern ich mal heiraten werde, kann ich mir vorstellen, meine Flitterwochen hier in einem Kolumbien Urlaub zu verbringen.

August 2017

Blog Frank Spitzer